|
1. Konzeption Montessori-Freiarbeit in Musik an der Gesamtschule Süd in Essen
Im Folgenden möchte ich darstellen, wie sich einige der auf meiner Homepage vorgestellten Materialien im Musikunterricht von Montessori-Klassen einsetzen lassen. (Entwickelt habe ich dieses Konzept zunächst für den
5. und 6. Jahrgang in den Montessori-Klassen an der Gesamtschule Süd in Essen, und zwar für die Freiarbeitsstunden im Klassenverband sowie im offenen Angebot,
der so genannten Mittagsmusik.) Darüber hinaus gibt es dann noch den “normalen”
Musikunterricht, der teilweise ähnliche Angebote enthält. (Weitere Informationen zum Lehrplan an der Gesamtschule, z.B. auch als Powerpoint Präsentation, erhalten Sie hier.)
Theoretisch eingebunden habe ich meine Überlegungen in einen Aufsatz von Peter Ortling, dem ehemaligen Leiter der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld (in: Winkel, Rainer (Hg.): Reformpädagogik
konkret, Hamburg 1993, S. 21f.; die folgenden Zitate entstammen, sofern nicht anders gekennzeichnet, diesem Text).
Alle Materialien, die “vielfältige Lernanregungen” (S. 23) ermöglichen sollen, wurden laminiert und den Kindern in Ordnern oder Karteikästen, teilweise auch im (halben) Klassensatz, zur Verfügung
gestellt.
Peter Ortling beschreibt das Bedingungsgefüge, unter welchem die “Polarisation der Aufmerksamkeit” - der Ausgangspunkt der pädagogischen Bemühungen von Maria Montessori, realisierbar ist :
- Die Freiheit des Kindes muss respektiert werden.
- Das Kind soll die Möglichkeit zu eigenem Tun erhalten.
- Das Kind soll die Möglichkeit haben, seinem eigenen Zeitmass zu folgen.
Ortling schreibt weiter: “Kernstück des Unterricht ist die ‘Freiarbeit’, eine Unterrichtsform, die für Montessorischulen charakteristisch ist und in der sich die pädagogischen Prinzipien Montessoris
konkretisieren. (a.a.O., S. 30)
- Grundwissen Musik
Aus dieser Kartei habe ich die Karteikarten mit grundlegenden Informationen zum Thema “Musikinstrumente und Ensembles”
(Nr. 101-175) ausgewählt. Sie sind meist bebildert und ermöglichen eine “Individualisierung des Arbeitens” (S. 24). Hier können Sie sich eine Musterseite anschauen.
- Die Klassenmusiker mit CD
Aus dem Buch habe ich folgende Seiten ausgewählt, die mit Hilfe großformatiger Fotos
zeigen, wie die Instrumente, die wir den Schüler/innen an unserer Schule zur Verfügung stellen, gespielt werden können: - das Schlagzeug (S. 16-26)
- Percussion: Bongos, Congas, Cowbell, Claves, Maracas und Schellenring (S. 28-33) - E-Bass (S. 35-45) - Gitarre / E-Gitarre (S. 47-54) - Keyboard (S. 56, 75-77) Hier können Sie sich eine Musterseite anschauen.
Dem Material liegt eine CD bei, auf der sich die Schüler/innen die Hörbeispiele anhören können. Entscheidend dabei ist, dass dieses Material vor allem Anregungscharakter hat. Schüler/innen, die in der
Freiarbeit durch die Beschäftigung mit den Spielanleitungen Lust bekommen haben, diese zu erproben, können dies im offenen Angebot in der Mittagspause, der sogenannten Mittagsmusik, tun, z.B. im Keyboardraum oder für ältere Schüler im Band-Überaum. Natürlich
soll es nicht nur bei einer theoretischen Beschäftigung mit den Musikinstrumenten bleiben, sondern die Theorie soll Ausgangspunkt für die Praxis der Kinder sein bzw. umgekehrt. Man kann nur das “Phänomen
der ‘Polarisation der Aufmerksamkeit’ [...] erreichen: ‘...wenn ihre Hände mittun’”, so Montessori 1946 in London. (S. 24)
Hören Sie sich doch einfach einmal an, wie das beim “Essen-Süd-Rock” klingt!
- Endlich Noten lernen!
Aus dieser Lernkartei wurden die Kärtchen 1-43 ausgewählt, mit denen sich die folgenden Themen
sehr kleinschrittig und kindgerecht erarbeiten lassen: grundlegende Notenwerte; 4/4-Takt; Notensystem; G-Schlüssel; Klavier-/Keyboardtastatur; eingestrichene Oktave Da die Kartei im Klassensatz vorhanden
ist, kann jedes Kind beim Erlernen dieses nicht einfachen Lernstoffes “seinem eigenen Zeitmass [...] folgen” (S. 24) und damit die Voraussetzung erlangen, Stücke auf den Instrumenten zu spielen, die
ohne Notenkenntnisse nicht realisierbar sind. Ein Beispiel in für das Internet reduzierter Qualität (Copyright AOL Verlag):
 
- Ohrenöffner für Kinder mit CD
“Der Montessori-Pädagogik eignet ein meditativer Charakter. Im verweilenden Umgehen wissen die Kinder den Dingen ihren Wert zu geben; sie lernen, auf die Stimme der Dinge zu hören.” (S. 25)
Hierzu bieten die Anregungen aus dem Ohrenöffner mit seinen 20 Hörbeispielen aus 1000 Jahren Musikgeschichte (S. 13-31) hervorragende Möglichkeiten. Dabei geht es nicht nur um das Hören,
sondern um einen vielfältigen und produktiven Umgang mit den Musikstücken. Hier können Sie sich eine Musterseite anschauen.
- Schattenleuchten: Kartei zum Menschenschattenspiel
In der Kartei wird die Schattentheorie in kleinen Spielideen serviert, und es finden sich vielfältige Anregungen zu Schattentheater-Aufführungen. Diese können wiederum in der Mittagsmusik
realisiert werden. So wird das Menschenschattenspiel zum Treffpunkt der musischen Künste und bietet die Möglichkeit zum fachübergreifenden und “projektorientiertem Lernen” (S. 32).
- Hervorragend eignet sich auch das kostenlose Freiarbeitsmaterial von Thomas Seilnacht:
http://www.seilnacht.tuttlingen.com/musik/kopierv.htm
2. Weiterführende Informationen
Die folgenden weiterführenden Informationen zur Montessori-Pädagogik habe ich teilweise über die Mailingliste Schulmusik erhalten. Danke dafür:
Allgemein:
- http://www.montessori.de (grundlegende Informationen zur Montessori-Pädagogik)
- http://www.lrz-muenchen.de/~montessori/schulen.html (Liste von Montessorischulen)
Aufsätze zu Montessoripädagogik und Musikunterricht im Internet:
- http://www.forsbach-musik.de/schulmusik/Freiarbeit/freiarbeit.HTM (Aufsatz zu Freiarbeit,
Musikunterricht und Montessoripädagogik von Esther Thies
- http://www.music-journal.com/htm/musunt/kalwa/kalwa_meier.htm (Aufsatz zum musikdidaktischen Konzept von Claudia Meyer)
Bücher:
- Musikunterricht in Reformschulen”, Reihe Musik im Diskurs, Band 16, hrsg. von Siegmund Helms, Bosse Verlag Kassel 2001, darin eine Kapitel: Die musikdidaktische Konzeption Maria
Montessoris von Claudia Meyer und Thomas Rodermund (mit weiterführenden Literaturhinweisen)
- Musikdidaktik bei Maria Montessori und Rudolf Steiner. Darstellung und Vergleich vor dem Hintergrund der anthropologisch-pädagogischen Konzeptionen. Von Claudia Meyer. Mensch und Buch Verlag 2000.
- Das Montessori Musikmaterial. Von Hans Wilms. Ursula Riedel Verlag
Hinweise von Claudio Pütz, dem ich für die Erlaubnis zur Veröffentlichung danke:
“Da ich gerade eine Magisterarbeit dazu schreibe, bin ich ein bisschen im Bilde: 1. Die aktuellste Dissertation, eine sehr praktisch angelegte Aufbereitung der umfassenden (!)
musikdidaktischen Aussagen Montessoris, stammt von HOSTERBACH, HILDEGARD: "Musikalisches Lernen in der Montessori-Pädagogik, Musikdidaktische Überlegungen unter
besonderer Berücksichtigung der musikpädagogischen Arbeit im deutschsprachigen Raum", Reihe Impulse der Reformpädagogik, Bd. 11, Münster, 2005 (Dissertation an der Westfälischen Wilhelms
-Universität Münster); Sie wurde an dieser Uni geschrieben, leider ist diese Seite nicht sehr aktuell: http://www.uni-muenster.de/Montessorizentrum/Forschung/Musik.htm
2. Der Originaltext von Maria Montessori bezüglich ihrer Musik von 1916 wurde neu übersetzt: Montessori, Maria: "Entwicklungsmaterialien in der Schule des Kindes", Dörfles, Österreich 2003
(Titel der italienischen Originalausgabe: „L’autoeducazione nelle scuole elementari“,1916)
3. Ich möchte folgende Seite von Johannes Klehr sehr empfehlen (Sekundarstufe): http://www.musiklernspiele.de
4. Er hat an folgenden Publikationen zum Bereich Musik und Freiarbeit mitgewirkt (auch Sekundarstufe): "akademiebereichte aus dillingen"
- Stationenlernen im Musikunterricht I: Lernzirkel Politisches Lied (AB nr. 356) - Stationenlernen im Musikunterricht II: enthält die Lernzirkel "Spielerische Musiklehre", "Musik
des 20. Jh." und "Polyphonie" AB, Nr. 373 - Stationenlernen... III: enthält die lernzirkel "Musik und Sprache" und "Musik der Klassik" , AB Nr. 374
- Stationenlernen ...IV: enthält die Lernzirkel "Latin Music" und "Pop und Rock in den 70er und 80er Jahren" (AB 376)
Die Veröffentlichungen sind über die alp in dillingen zu beziehen und sind nicht teuer, hier der Link zum Bestellen: http://alp.dillingen.de/publikationen .”
|